Commerzbank plant großen Stellenabbau

14. Februar 2025 -

Die Commerzbank plant einen signifikanten Abbau von Arbeitsplätzen, wobei insgesamt 3.900 Stellen bis zum Jahr 2028 gestrichen werden sollen. Diese Entscheidung tritt in einem Jahr in Kraft, in dem die Bank Rekordgewinne verzeichnet hat. Besonders betroffen sind die Mitarbeitenden in Frankfurt, wo die meisten dieser Einschnitte erfolgen sollen.

Genauer gesagt, beabsichtigt die Commerzbank, 3.300 der insgesamt 3.900 Vollzeitstellen in Deutschland abzubauen. Diese Informationen wurden am Donnerstagmorgen von dem in Frankfurt ansässigen Dax-Konzern veröffentlicht. Der Abbau in Deutschland wird vor allem die Firmenzentrale sowie weitere Standorte in Frankfurt betreffen, wobei insbesondere Stabsfunktionen und Backoffice-Bereiche im Fokus stehen. Zurzeit beschäftigt Deutschlands zweitgrößte Privatkundenbank in ihrem Heimatmarkt etwa 20.000 Vollzeitkräfte.

Um den Prozess des Stellenabbaus sozialverträglich zu gestalten, betont die Commerzbank die Bedeutung des demografischen Wandels und der natürlichen Fluktuation. In diesem Zusammenhang wurde bereits in Zusammenarbeit mit den Arbeitnehmervertretungen ein Rahmen für ein Altersteilzeit-Programm geschaffen, das noch in diesem Jahr in Kraft treten soll.

Trotz der geplanten Stellenstreichungen möchte die Commerzbank ihren globalen Personalbestand bei rund 36.700 Vollzeitkräften stabil halten. Hierbei ist geplant, an verschiedenen internationalen Standorten neue Arbeitsplätze zu schaffen.

Die Ankündigung des Stellenabbaus wird im Rahmen einer neuen strategischen Ausrichtung der Bank für die kommenden Jahre präsentiert. Gleichzeitig veröffentlichte die Commerzbank auch ihre Jahresbilanz für 2024, in der sie einen Anstieg des Nettoergebnisses um etwa 20 Prozent auf rund 2,7 Milliarden Euro verzeichnet.

Der Konzern sieht sich derzeit einem zunehmenden Druck durch die italienische Bank Unicredit ausgesetzt, die eine Übernahme ins Visier genommen hat. Im vergangenen Herbst hatte Unicredit die Gelegenheit genutzt, durch den teilweisen Rückzug des Bundes, der zuvor in die Commerzbank investiert hatte, in großem Umfang Anteile an dem DAX-Konzern zu erwerben. Zurzeit hält die Mailänder Großbank etwa 28 Prozent der Anteile an der Commerzbank, wobei ungefähr 9,5 Prozent direkt durch Aktien besessen werden und etwa 18,6 Prozent über verschiedene Finanzinstrumente kontrolliert werden.

Das Management sowie der Betriebsrat der Commerzbank zeigen sich alarmiert über das, was sie als ein „feindliches“ Vorgehen seitens der italienischen Banken interpretieren. Diese Bedenken werden auch von verschiedenen politischen Akteuren in Deutschland unterstützt. Der Bund, der die Commerzbank während der Finanzkrise in den Jahren 2008 und 2009 mit erheblichen Steuermilliarden gerettet hat, hält aktuell noch rund 12 Prozent der Anteile des Instituts.

Bislang hat die Unicredit jedoch kein formelles Übernahmeangebot abgegeben. Es ist wichtig zu beachten, dass die italienische Bank gesetzlich verpflichtet wäre, ein solches Angebot zu unterbreiten, sobald ihr Anteil an der Commerzbank 30 Prozent überschreitet.

Die von Bettina Orlopp, der CEO der Commerzbank, eingeleiteten Stellenstreichungen können als ein strategischer Versuch gewertet werden, um sich gegen die potenzielle Übernahme durch Unicredit zu positionieren. Ziel dieser Maßnahmen ist es, die Rentabilität der Bank zu steigern und ambitionierte Ziele zu setzen, um die Eigenständigkeit der Commerzbank zu sichern.

Im Einklang mit dem neuen Strategieplan plant die Commerzbank, ihren jährlichen Überschuss bis zum Jahr 2028 auf 4,2 Milliarden Euro zu erhöhen, während gleichzeitig den Anteilseignern höhere Gewinnausschüttungen in Aussicht gestellt werden. Jedoch rechnet die Commerzbank für das Jahr 2025 zunächst mit einem Rückgang der Gewinne auf etwa 2,4 Milliarden Euro, da das Unternehmen für den Stellenabbau im laufenden Jahr mit Restrukturierungskosten in Höhe von rund 700 Millionen Euro plant.

Die Gewerkschaft Verdi sieht den Abbau von Tausenden von Arbeitsplätzen bei der Commerzbank als einen notwendigen Schritt im Kampf gegen die italienische Großbank Unicredit. Gewerkschaftssekretär Kevin Voß erklärte, dass die Gewerkschaft die klare strategische Ausrichtung der Commerzbank, die auf die Wahrung ihrer Eigenständigkeit abzielt, ausdrücklich befürwortet.

Voß, der zudem im Aufsichtsrat der Commerzbank sitzt, stellte jedoch klar, dass diese neue Strategie nicht auf Kosten der Beschäftigten umgesetzt werden dürfe. Es sei von entscheidender Bedeutung, dass der Arbeitsplatzabbau von einem umfassenden Schutzpaket begleitet wird, welches in einem Dialog zwischen den Arbeitnehmervertretern und dem Vorstand der Bank vereinbart werden sollte. „Für uns gilt als grundsätzlicher Leitsatz, dass niemand gegen seinen Willen seinen Arbeitsplatz bei der Bank verlieren wird“, betonte Voß.

Ebenfalls am Mittwoch, als bereits Gerüchte über den drohenden Stellenabbau aufkamen, äußerte sich Boris Rhein, der Ministerpräsident von Hessen und Mitglied der CDU, zur Lage der Commerzbank. In einem Interview mit hr machte er deutlich, dass führende Unternehmenslenker in Deutschland erhebliche Bedenken haben, falls es zu einer Übernahme der Commerzbank kommen sollte. Rhein warnte, dass dies möglicherweise zur Folge haben könnte, dass wichtige Entscheidungen nicht mehr am Finanzplatz Frankfurt, sondern in der Zentrale im Ausland getroffen werden würden. Dies könnte erhebliche Auswirkungen auf die wirtschaftliche Entwicklung und die Positionierung der Bank in Deutschland haben.