John Deere: Innovativer Ansatz zur Vermeidung von Personalabbau durch Auszeiten mit Prämie
Der renommierte Landmaschinenhersteller John Deere hat sich für einen unkonventionellen Ansatz entschieden, um einen drohenden Personalabbau abzuwenden. Statt die Belegschaft zu reduzieren, bietet das Unternehmen seinen Mitarbeitern die Möglichkeit, vorübergehend aus dem Arbeitsverhältnis auszuscheiden, während sie gleichzeitig ihren Arbeitsplatz behalten. Diese Regelung eröffnet den Beschäftigten eine einmalige Gelegenheit, ihre Karriere voranzutreiben, ohne die Sicherheit eines Arbeitsplatzes zu verlieren.
Die betroffenen Mitarbeiter können sich entscheiden, für einen Zeitraum von zwei bis vier Jahren das Unternehmen zu verlassen. Für diese Auszeit erhalten sie eine finanzielle Prämie, deren genaue Höhe allerdings von John Deere nicht kommuniziert wird. Darüber hinaus gibt das Unternehmen eine verbindliche Zusicherung, dass die Rückkehrer mindestens einen gleichwertigen Arbeitsplatz erhalten werden, wenn sie nach Ablauf der vereinbarten Zeit zurückkehren.
Ein Beispiel für diese Initiative ist Cornelisse, der dreieinhalb Jahre lang bei John Deere tätig war – zunächst während seiner Ausbildung und später als ausgebildeter Facharbeiter. Er hat sich entschieden, das Werk in Zweibrücken für drei Jahre zu verlassen, um sich im etwa 50 Kilometer entfernten Kaiserslautern zum Techniker fortzubilden. Die finanzielle Unterstützung durch die Ausstiegsprämie erleichtert ihm diesen Schritt erheblich. In Kaiserslautern hat er das Vergnügen, wieder mit mehreren Kollegen zusammenzukommen, mit denen er früher die Ausbildung absolviert hat.
Dieser innovative Ansatz von John Deere zeigt, wie Unternehmen auf kreative Weise mit herausfordernden wirtschaftlichen Lagen umgehen können und gleichzeitig den Mitarbeitern wertvolle Entwicklungschancen eröffnen.
Das aktuelle Angebot hat seinen Ursprung in einer Situation, die von wirtschaftlichem Druck geprägt ist. Insbesondere bei John Deere sieht die Lage angespannt aus, denn die Verkaufszahlen zeigen einen klaren Rückgang. Dies bestätigt Frank Schättle, der als Personalleiter auch eine wichtige Rolle in der Unternehmensführung spielt. Um die Produktionsstätte wieder auf den richtigen Kurs zu bringen, sind einschneidende Maßnahmen erforderlich, denn derzeit gibt es eine Diskrepanz zwischen der Anzahl der Beschäftigten und dem vorhandenen Arbeitsvolumen. Aus den Reihen der Geschäftsführung wird darauf hingewiesen, dass in Anbetracht dieser Gegebenheiten Überlegungen angestellt werden müssen, die in solchen Krisensituationen nicht ungewöhnlich sind. Hierbei stehen vor allem zwei Optionen zur Debatte: der Abbau von Personal oder die Einführung von Kurzarbeit, beide Maßnahmen zielen darauf ab, die anfallenden Kosten zu reduzieren und die wirtschaftliche Situation des Unternehmens zu stabilisieren.
John Deere steht vor der Herausforderung des Fachkräftemangels
Das renommierte Unternehmen John Deere sieht sich zunehmend mit der Problematik des Fachkräftemangels konfrontiert. Nach den Worten von Frank Schättle, dem Personalleiter und Mitglied der Geschäftsführung am Standort Zweibrücken, ist die aktuelle Situation derart ernst, dass eine Kurzarbeit für das Unternehmen nach wie vor die bevorzugte Option darstellt, statt Personal abzubauen. Der Grund für diese Herangehensweise liegt darin, dass die Expertise und das berufliche Wissen, das die Mitarbeiter im Laufe ihrer Karriere aufgebaut haben, von unschätzbarem Wert ist – insbesondere im Bereich des Maschinenbaus für Landmaschinen. John Deere ist sich bewusst, dass der Verlust von qualifizierten Fachkräften dramatische Folgen haben könnte, da sie über Kenntnisse verfügen, die für die Entwicklung und den Bau der Produkte unerlässlich sind.
Schättle verdeutlicht, dass die Rekrutierung neuer Mitarbeiter in der heutigen Zeit keineswegs so einfach ist, wie es vielleicht scheinen mag. „Es ist nicht so, dass, wenn wir in zwei Jahren jemanden brauchen, einfach das Tor aufmachen oder ein Schild draußen anbringen und sagen: ‚Wir brauchen mal wieder Leute‘.“, betont er. Vielmehr sei es entscheidend, auf erfahrene und kompetente Fachkräfte zurückgreifen zu können, die ein tiefes Verständnis für die Branche und die speziellen Anforderungen an die Techniken und Maschinen von John Deere mitbringen.
Um diesen Herausforderungen zu begegnen, hat die Geschäftsführung in Zusammenarbeit mit der Arbeitnehmervertretung ein innovatives Auszeitmodell entwickelt. Dieses Konzept zielt darauf ab, sowohl finanzielle Einsparungen für das Unternehmen zu realisieren als auch die wertvollen Fachkräfte langfristig zu binden. Darüber hinaus bietet es den Mitarbeitern die Möglichkeit, sich in ihrer Freizeit weiterzubilden und ihre Qualifikation zu erhöhen, was letztlich auch dem Unternehmen zugutekommt. Dies ist ein strategischer Schritt, um den langfristigen Erhalt von Know-how und Erfahrung zu sichern und die leistungsstarke Belegschaft von John Deere nicht nur zu fördern, sondern auch für die Zukunft zu wappnen.
Die Qualifikationsauszeit stellt lediglich einen Bestandteil eines umfassenden Maßnahmenpakets dar, das von dem Unternehmen John Deere initiiert wurde. Mit dem Ziel, die Betriebskosten zu senken, hat das Unternehmen unter anderem die wöchentliche Arbeitszeit von 35 auf 32 Stunden reduziert. Um die dadurch entstehenden Lohneinbußen abzufedern, wurden verschiedene Ausgleichsmaßnahmen getroffen. Teils werden die Gehälter entsprechend angepasst, und bereits bestehende Sonderzahlungen wurden in Form zusätzlicher freier Tage umgewandelt. Darüber hinaus bietet John Deere den Mitarbeitenden die Möglichkeit, interne Weiterbildungen in Anspruch zu nehmen. Dies ermöglicht es den Beschäftigten, sich gezielt auf Positionen in Abteilungen mit erhöhtem Personalbedarf vorzubereiten.
Marc Möller, der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende, merkt an, dass die Entscheidung, das Unternehmen vollständig zu verlassen, vorwiegend für jüngere Mitarbeitende oder für jene, die frisch aus ihrer Ausbildung kommen, in Erwägung gezogen wird. Es ist zu beachten, dass das Programm seit April 2024 am Standort von John Deere aktiv ist und sich bis heute bewährt hat. Aufgrund der hohen Nachfrage hat das Unternehmen die ursprünglich verfügbaren 24 Plätze im Rahmen der Qualifikationsauszeit auf nunmehr 44 Plätze erhöht. Bislang haben sich insgesamt 30 Mitarbeitende für dieses Angebot entschieden. Zum Vergleich: Am Standort in Zweibrücken sind etwa 1.000 Personen beschäftigt, wodurch deutlich wird, dass die Qualifikationsauszeit für einen beträchtlichen Teil der Belegschaft von Interesse ist.
Die Arbeitsplatzgarantie spielt für Maurice Cornelisse eine entscheidende Rolle in seinem Lebensentwurf. Er plant, die bevorstehende Auszeit nicht nur für seine berufliche Weiterbildung zu nutzen, sondern auch, um persönliche Erfahrungen zu sammeln und die Welt zu bereisen. Die Technikerweiterbildung, die er anstrebt, wird voraussichtlich zwei Jahre in Anspruch nehmen. Anschließend plant er, im dritten Jahr eine ausgedehnte Reise zu unternehmen und neue Kulturen kennenzulernen.
Für den 25-jährigen Cornelisse ist die garantierte Rückkehr zu seinem Arbeitsplatz von großer Bedeutung. „Mir war von Anfang an bewusst, dass ich, sobald ich in die Arbeitswelt eintrete, nicht mehr die Zeit und die Freiheit habe, die Welt zu erkunden. Daher habe ich beschlossen, für drei Jahre aus dem Unternehmen auszutreten. So habe ich die Möglichkeit, all das zu tun, was ich mir wünsche, und kehre anschließend zurück, um meinen sicheren Arbeitsplatz wieder einzunehmen“, erklärt er.
Nach seiner Rückkehr zu John Deere in Zweibrücken plant Cornelisse, sich auf die Optimierung verschiedener Prozesse zu konzentrieren. Dies zeigt sein Engagement für die Weiterentwicklung sowohl seiner eigenen Fähigkeiten als auch des Unternehmens, in dem er tätig ist.
Das Zweibrücken-Modell könnte auch eine wertvolle Unterstützung für andere Unternehmen darstellen. Sowohl der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Marc Möller als auch Frank Schättle, ein Mitglied der Geschäftsführung, sind überzeugt davon, dass die meisten Arbeitnehmer zu ihrem Arbeitsplatz zurückkehren werden. Allerdings wird sich die Richtigkeit dieser Annahme erst in etwa einem Jahr herausstellen.
Momentan kommt das Modell der beruflichen Auszeit ausschließlich bei John Deere in Zweibrücken zum Einsatz. Von der Unternehmensleitung wird betont, dass falls der Markt für Landmaschinen sich nicht schnell genug erholt, man durchaus in Betracht ziehen könnte, dieses Modell auch an anderen Standorten zu implementieren. Marc Möller ist zudem davon überzeugt, dass eine Qualifizierungsauszeit, die ursprünglich zur Unterstützung von Beschäftigten in schwierigen wirtschaftlichen Zeiten ins Leben gerufen wurde, auch anderen Unternehmen aus verschiedenen Branchen helfen könnte, die mit wirtschaftlichen Engpässen konfrontiert sind.
Im Hinblick auf die aktuelle wirtschaftliche Lage von John Deere wird das Maßnahmenpaket, das in Zusammenarbeit mit der IG Metall entstanden ist, als eine arbeitnehmerfreundliche Initiative betrachtet. Auch in Bezug auf die Qualifizierungsauszeit hat die Gewerkschaft eine positive Meinung geäußert, obwohl vor allem jüngere Mitarbeiter von dieser Möglichkeit Gebrauch machen würden. Die IG Metall erachtet das Angebot im Allgemeinen als eine gute Lösung für die Beschäftigten in Zweibrücken.